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Irmengard
Ein Wind aus Asche und Feuerfunken strich durch die Wälder und flüsterte ihren Namen. Irmengard. Die Feuchtigkeit der Buche fühlte sich gut an auf ihrem verbrannten Gesicht. Wie ein gehetztes Raubtier kauerte sich Irmengard an den Baum, hielt sich an ihm fest. Der Herrgott wusste, dass ihre Beine allein dazu nicht mehr in der Lage…
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Zwei Paar Schuhe
Fast hingebungsvoll zieht die Frau Mitte zwanzig ihren Bleistift über das Skizzenpapier, aber eben nur fast. Denn Hingabe braucht Zeit, die fehlt hier mitunter. Studium der Kunst, schon immer gezeichnet, irgendwie hier gelandet in einem Bürokomplex mitten in München. Die Streifen an den Seiten gewagt, aber die Werkstatt gibt das Okay. Zeichnen nach Auftrag, nach…
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Heimat & Entfremdung
»Von den Sternen kommen wir, zu den Sternen gehen wir.Das Leben ist nur eine Reise in die Fremde.«— Walter Moers Ungefragt, sagt der Philosoph Martin Heidegger, werden wir in diese Welt geworfen. Kaum sind wir dazu in der Lage, die Angebote unserer Mitmenschen aufzufassen, erklärt man uns, wo wir Zuhause sind. Fällt es uns als…
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Steiner
Es war mal einersein Name war SteinerRudi SteinerRudolf Steinerso viel Zeit muss seinseiner war er weit vorrausZeit mein ichseinerzeit war landesweit keinerauch nur halb so weit wie Steinerund gerade weil erso’n Typ war, so’n richtig geiler,sachte Steiner,hört mal zu ich bin nicht noch so einernicht noch so‘n Langeweiler,bin der gottgesandte Heiler,bin der größte gemeinsame Teiler,und…
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Die Ballade von der Kunst des Totenbeschwörens
In stiller Kammer ich sitze,über Folianten gebeugt.Ich denke aus, ich kritzle,alles wird streng beäugt,wird streng geprüft,ob’s auch was taugt,ob’s einer braucht;ob’s eines Tages sich erheben kann. Da ist etwas lebendiges,in meinem Herzen zieht es seinen Kreis.Ich würg es und ich kotz es aus;tot liegt’s vor mir, schwarz auf weiß. Wie aber nun kann man beschwören,was…
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Loch
Seit Jahren schon seit Jahrzehnten sogar lebt Leugnung im Loch. Ein Loch im Boden, das immer tiefer wird und immer enger wird und ihn immer mehr zu schlucken droht. Manchmal begibt sich Frohsinn hinunter ins Loch, man kann einfach hinunter laufen in das versifft-vergammelte dreckige Drecksloch und sich aufs Sofa setzen. Frohsinn darf nix sagen…
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Lootboxen
Lootboxen, sagen die Eltern,sind das Übel jener Tage.Sie verführen unsere Kinder,sie ködern mit Aussicht auf schalen Gewinn. Kauft euch lieber Panini-Sammelkarten!Da habt ihr was in der Hand. Panini-Sammelkarten, sagten die Eltern,waren das Übel, lang ist’s her.Auf dem Schulhof dealten die Kinder,und verloren das große Ziel aus den Augen. Spielt lieber mit Murmeln!Sie sind viel schöner…
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Dekret
Es sprach ein Vater einst zu seinem Sohne:Bleib ja im Haus, egal was kommt!Denn draußen lauern die Gefahrensetz‘ einen Fuß hinaus und promptüberfallen sie dich in Scharen! Diebe, Gauner, Lumpenpackegal, wie du’s auch nennst.Sie alle packen dich am Sack,egal, wie viel du flennst! Drum schließ die Tür, schließ sie ganz fest,und mach niemandem auf.Wenn doch…
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Schöner Dank
Was sei der Lohn für all die Müh‘,Das fragst du dich so dreist?Was warte denn am Ende wohlvon Tränen, Blut und Schweiß? Sei dir gewiss: satt macht’s dich nicht.Lass dir sagen: s’füllt nicht deinen Magen. Die Seele aber mag aufsteigentosen, schweben, fliegen, gleitenzu höchsten Höhen, ganz bestimmtwenn sie des and’ren Dank vernimmt.
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Am Bahnhof
Als der Reisende erwachte und weder wusste, wo, noch wann, noch wer er war, bekam er es mit der Angst zu tun. Laut und hektisch war es überall um ihn herum. Pfeifen wurden gestoßen und zischende Züge rollten mit Donnergetöß von Gleis zu Gleis. Überall drückten sich die Menschen aneinander vorbei und bildeten ein undurchdringliches…